Samstag, 21. Mai 2016

Siebdruck: Teil 4 Die Stoffgestaltung

Zauberrochen im Algenmeer

Ich durfte mit meinem Stöffchen: "Zauberrochen im Algenmeer" unsere diesjährige Frühlingspost beenden. Über sieben Wochen lang habe ich wunderschöne Stoffmuster, die alle per Siebdruck entstanden sind, von lieben Bloggerinnen erhalten. In der letzten Woche durfte sich dann mein Stöffchen auf Reisen begeben. Da es nun auch in Österreich bei Eva - leider etwas verspätet - angekommen ist, kann ich nun über die Zauberrochen und deren Entstehung berichten.


Zunächst einmal wollte ich unbedingt einen dunklen Stoff bedrucken. Meine Schwiegermutter hat mir angeboten, dass sie mir eine alte Tischdecke mitfärben könne. Ich sagte ihr, dass ich am liebsten einen dunklen, jeansartigen Blauton als Grundstoff für mein Muster haben möchte. Und sie brachte mir eine perfekt gefärbte Tischdecke mit. Dafür möchte ich ihr an dieser Stelle nochmals ganz herzlich danken. Diese habe ich dann zunächst mit blauen Algen bedruckt.


Für den Druck habe ich aus Freezerpapier einzelne "Algen" in unterschiedlicher Größe ausgeschnitten. Leider hat sich die blaue Druckfarbe (übrigens auch von Dekaprint 2000) aber ganz anders verhalten als bei meinem Probedruck das Weiß von der gleichen Firma. Enttäuscht blickte ich auf einige zerlaufende Sterne auf dem Stoff. Wieso nur funktioniert der Druck an einigen Stellen und an anderen nicht? Zum Glück habe ich bei Michaela, unserer Initiatorin der diesjährigen Frühlingspost, sowie bei Tabea und Kristina eifrig die Erfahrungsberichte und die zahlreichen Kommentare gelesen. Dabei wurde immer wieder von einer Siebdruckpaste berichtet. So besorgte ich mir kurzfristig noch die Siebdruckpaste Lascaux und dadurch wurde die Siebdruckfarbe tatsächlich fester bzw. zähflüsiger. Am besten man nimmt mit einem Löffel etwas Farbe in ein verschließbares Glas und gibt dann löffelweise die Paste hinzu bis die gewünschte Festigkeit erreicht ist. Diese Mischung hatte den Vorteil, dass sich die Farbe einerseits nicht mehr durch den Stoff "hindurchgedrückt" hat und andererseits war sie gleichzeitig ein sogenannter Trocknungsverzögerer. So konnte die Farbe nicht so schnell das Sieb verkleben bzw. Poren - vor allem die kleinen dünnen Rochenenden - verstopfen. Durch das Zumischen der Paste konnte ich mit einem Sieb den gesamten Stoff bedrucken.


Bei Michaela entdeckte ich auch die Idee, meine Tischdecke in zwei Hälften zu schneiden. Das hat sich als sehr vorteilhaft erwiesen, denn beim Drucken habe ich festgestellt, dass die Arme nicht lang genug sein können ;-)) Am Ende muss man schon sehr aufpassen, dass einerseits der Stoff nicht vom Tisch rutscht und andererseits man nicht ausversehen auf das untere Stoffende während des Druckens drauftritt oder aber ausversehen den schönen Holzboden mitbedruckt.


Auf dem Bild seht ihr schon meinen zweiten Druckvorgang: die Rochen. Die Rochen habe ich zuerst von Hand gezeichnet, aber dazu gibt es noch eine schöne Geschichte, die ich euch unbedingt erzählen muss. Bestimmt wisst ihr ja, dass Michaela jeden Mittwoch hübsche Muster sammelt und ich auch liebend gerne mitmustere. Aus irgendeinem Grund dachte ich, dass Michaela in diesem Monat Rauten sammelt. So malte ich eifrig Rautenfische, denn ich verbinde gerne meine Projekte und so dachte ich, kann ich gleich auch ein Mittwochsmuster mit meinem Stoff zaubern. Aber wer genauer liest oder vielleicht nicht nur seiner Erinnerung Glauben schenkt, ist klar im Vorteil, denn Michaela sammelt im Mai Karos. Vielleicht schreibt sie ja die Rauten auf eine Liste und in kürze kann ich dann meine Zauberrauchen auch noch vermustern ;-))).



Zu Beginn habe ich die Rochen leider ohne Siebdruckpaste gedruckt und schnell hatte sich mein Sieb an einigen Stellen zugesetzt. Die Farbe trocknet doch schneller als bei den kleineren Probestöffchen. Außerdem hatte ich mir ein größeres Sieb - natürlich wieder mit der Hilfe meines Mannes - gebaut, weshalb ich für einen gleichmäßigen Auftrag längere Zeit benötigte.



Hier zum Vergleich beide selbstgebauten Siebe, die jeweils aus ausrangierten Bilderrahmen zusammengebaut sind und mit Siebdruckgaze bezogen wurden (hier könnt ihr die Bauanleitung nachlesen). Mit dem größeren Sieb konnte ich nun eine größere Fläche bedrucken, aber insgesamt ist ein größeres Sieb leider auch unhandlicher. Alleine beim Auswaschen des Siebes über der alten Spüle im Keller habe ich den Waschraum mehrmals unter Wasser gesetzt ;-). Aber halb so schlimm, denn auch beim Auswaschen war ich froh, dass ich die Tipps meiner Vorgängerinnen hatte lesen können. Denn da gab es Erfahrungsberichte - ich sage euch über stundenlanges Badewannenschrubben, um die Farbe aus der Wanne zu bekommen - wo sich die Teilnehmerinnen der Frühlingspost sicherlich gefragt haben, warum mache ich das eigentlich.


Aber diese Frage lässt sich beim Anblick der Ergebnisstöffchen sicherlich gerne mit einem Lächeln beantworten: Um eine neue wundervolle Technik kennenzulernen, neue künstlerische Erfahrungen zu sammeln und neue Bloggerinnen kennen zu lernen, sich auszutauschen und diese wundervollen Tauschstöffchen in den Händen zu halten. Sind die nicht traumhaft schööön?



Als ich mir mein fertiges Stöffchen anschaute, war ich sehr zufrieden - trotz der etwas verlaufenen Algen. Aber Unterwasser ist ja auch alles etwas verschwommen. Irgendwie wollte ich aber meine Leidenschaft zur Nähmalerei noch im Stoff integrieren. Mein ursprünglicher Plan, die Meerwellen in kleinen kurzen Strichen aufzudrucken, hatte ich schnell nach dem zweiten Druckvorgang verworfen. Erstens, weil mir der Stoff ohne Wellenlinien gut gefiel und zweitens, meine Kraft und auch die Zeit ließen einen weiteren Druckvorgang einfach nicht mehr zu. So habe ich jeder Tauschpartnerin zum Abschluss drei Zauberunterwasseralgen mit Nähmalerei auf ihr Soöffstück gestickt.


Damit konnte ich die gröbsten Druckmängel ein wenig ausbessern ;-))).
Mit dem Probedruckfisch und den selbstgebastelten Umschlägen aus alten Atlasseiten,



sowie einem bezaubernden Spruch von Jacques Gusteau,


konnten hoffentlich alle meine Tauschpartnerinnen auch mein Stöffchen in den Händen halten.
Ich freue mich sehr, dass ich mich für die Frühlingspost angemeldet habe, 
denn es hat riesengroßen Spaß gemacht und ich habe viel dazu gelernt. 
Aber so ganz vorbei ist unsere Aktion ja noch gar nicht,
denn die Stöffchen sollen nun auch in einem Projekt vereint bzw. zusammengenäht werden.
Ich bin sooooo gespannt, was sich die einzelnen Teilnehmerinnen einfallen lassen.
Leider werdet ihr auf mein Endergebnis noch warten müssen,
denn ich werde nächste Woche wahrscheinlich operiert 
und muss für eine gewisse Zeit
eine Pause einlegen ;-(.


Aber eine Idee für meine Umsetzung mit den Stoffen habe ich schon ;-)))).

 Druckfrische Rochengrüße
aus dem zauberhaften Meer, dem "Netz voller Wunder"
sendet

Karin

 verlinkt mit Frühlingspost 2016, verspätet zum Fisch am Freitag,




Kommentare:

  1. Liebe Karin, was für ein schöner lebendiger Bericht. Und dass Nähmalerei noch deine Algen bespielt - tolle Meeresatmosphäre ist da entstanden. Und der Spruch von Cousteau ist ja so was von passend gewählt. Ich wünsch dir was für die nächste Zeit, werd fein gesund!!! Maiengrüße aus dem Wald - Ghislana

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  2. Super - ein perfekter Abschlussbericht deines Werkelns zur FrühlingsMailArt! Danke dir, Karin. Dein SToff ist wirklich wunderschön, und ich freue mich, dass wir hier in einer Gruppe waren und ich ein Stückchen davon in meinen Händen halten darf! Nun drücke ich dir alle Daumen für die anstehende Zeit. Wir bleiben ja im Kontakt :-)
    Lass es dir gut gehen und schönen Sonntag!
    Susanne

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  3. Liebe Karin,

    zunächst einmal: Dein Stoff ist ein absoluter Traum geworden und ich liebe die Rochen! Auch Deine Lösung mit dem Garn finde ich toll und passend. Das gibt dem Stoff etwas ganz besonderes.

    Ich habe bei meinem Siebdruckkurs gelernt, max. 3 Mal zu drucken und dann mit einem Schwamm über einem wassergefülltem Eimer das Sieb zu reinigen. Dabei muss von beiden Seiten die Farbe abgenommen werden. Danach wird das Sieb mit einem Geschirrtuch grob getrocknet und anschließend gefönt. Auch die frischen Drucke sollte ich fönen, damit die Farbe sofort trocken ist. Das hat hervorragend funktioniert.
    Das Ganze gilt natürlich für ein beschichtetes Sieb. Wie sich das mit Papier verhält kann ich nicht sagen. Dahingehend war der Kurs wirklich sehr aufschlussreich.

    LG Mareike

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  4. Von mir auch an dieser Stelle noch einmal herzlichen Dank! Dein Bericht ist sehr informativ und ich staune, wieviel wir alle voneinander lernen konnten.
    Liebe Grüße
    Christine

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  5. Was für ein Traumstoff und überhaupt das ganze Rundumpaket!! Es war wieder eine soooo schöne Aktion!
    Liebe Grüße und dir alles Gute - ich drück dir die Daumen!
    Moni

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  6. Ich habe leider überhaupt keine Ahnung von dieser Technik und verfolge schon gespannt seit einiger Zeit eure Aktion und muss sagen, die SToffe sehen alle wunderbar aus - bei deinem gefällt mir der Druck allerdings am allerbesten, weil ich gerne so eher geometische Dinge mag, gern gepaart mit etwas verspieltem. Auf dein Abschlussprojekt bin ich gespannt - jetzt erst mal gute BEsserung und Hochachtung vor dem was du da geschafft hast! LG Ingrid

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  7. Jipiiiii, und ich habe ein Stück von diesem tollen Stoff bekommen :))))) Und freu mich so- vielen lieben Dank dafür!!!!!
    Ganz liebe Grüße, Tanja

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  8. Liebe Karin
    dein Stoff ist zauberhaft geworden.
    Es ist super,wie du Alles in einzelnen Schritten beschreibst.Ich drücke dir die Daumen.
    LG Claudia

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  9. ein spannender erfahrungsbericht mit einem tollen ergebnis! ich wünsche dir alles gute für die op und dass du bald in deinem gartenstuhl sitzen und dich davon erholen kannst!
    liebe grüße, mano

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  10. Wahnsinn, der Stoff ist so schön geworden! Und Danke für den tollen Bericht, ich musste sehr lachen über die mir so wohlbekannten Hürden und Probleme so im Nachhinein! Beim Drucken war mir manchmal gar nicht zum Lachen zumute! Das nächste Mal lese ich auch noch mehr Erfahrungsberichte und besorge mir Siebdruckpaste und sowas :-)
    Liebe Grüße von Meike

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  11. Liebe Karin ich hatte ja noch gar keinen Gruß und Dank hier gelassen für deinen schönen Siebdruck-Bericht. Schon als nur einzelne Stückchen von deinem Stoff in anderen Blogs auftauchten, war ich ganz angetan und Rauten-Rochen lasse ich durchaus für den Karo-Mai zu. Ich hatte auch in der Ankündigung des Themas was von Karos, Rauten und Rastern geschrieben, das war also überhaupt kein Fehler. Ganz ganz fein dein Stoff und alles überhaupt. Dir alles beste für die anstehende OP, schon dich gut und lass dich verwöhnen, alles alles Liebe wünscht Michaela

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  12. Dein Stoff ist ja soo schön geworden.
    Das ist wirklich eine tolle Aktion.
    Und was du alles für Muster bekommen hast!!!
    Bin schon so gespannt, was du daraus machst.
    Viele liebe grüße, Angela

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